Altenpflegerin Elke, Teilnehmerin am Diversity-Projekt

Dr. Ulrike Ernst

Dr. Ulrike Ernst fand in ihrer Arbeit in der Suchtmedizin ihre Bestimmung. Warum dem so ist, wie Sie überhaupt zur Psychiatrie fand und wie sie zur Chefärztin wurde, darüber gibt sie hier Auskunft.

Als ich damals im Jahr 2000 eine Anstellung gesucht habe, war das Thema Ärztemangel noch gar kein Thema. Im Gegenteil, damals war von einem „Ärzteüberschuss“ die Rede. Etwas, das man sich heute gar nicht mehr vorstellen kann. Ich habe dann das Fachkrankenhaus Hochweitzschen für mich entdeckt und bin gleich in der Abteilung für Sucht gelandet. 

Auch wenn es merkwürdig klingt: In der Sucht zu landen, war mein großes Glück.

Zum einen finde ich die Arbeit innerhalb dieser speziellen Abteilung, die viele somatische Facetten aufweist, sehr spannend. Zum anderen hatte ich mit meinen Kolleg:innen und meinem damaligen Mentor riesiges Glück. Es war eine Heimat, ein Zuhause, in das ich hineingekommen bin. Sowohl beruflich als auch privat.

Im Rahmen meiner Facharztausbildung musste ich auch den Bereich Neurologie abdecken. Das war aber hier im Krankenhaus nicht möglich und so ging ich dann vorübergehend in eine andere Klinik. Dieser Weggang war das prägendste Ereignis meiner Karriere. Ich habe im wahrsten Sinne des Wortes jeden Tag gezählt, der vorbeiging und war froh, als ich wieder zurück in „meinem Krankenhaus“ war. 

 

Damals wie heute ist das Wichtigste bei unserer Zusammenarbeit, das sich aufeinander einlassen.

Ich lasse mich auf meine Mitarbeiter:innen ein. Für mich ist es wichtig, ihre Wünsche und Bedürfnisse zu kennen. Wenn ich kollegial, fair, höflich, wertschätzend, freundlich und verlässlich mit meinen Kolleg:innen umgehe, dann nehmen diese sich hoffentlich daran ein Beispiel. Von oben herab Anweisungen zu geben ist daher nicht mein Stil. Ich bevorzuge das Reden miteinander. Außerdem will ich für meine Mitarbeiter:innen greifbar sein. Und das wiederum bedeutet, dass ich mich nicht auf die bloßen administrativen Tätigkeiten als Chefärztin konzentriere, sondern auch weiterhin in der Alltagsarbeit mit- und an den Patient:innen bin.  

Mein Weg in die Psychatrie

Mein Weg in die Psychiatrie ist geprägt vom Zufall. Ich hatte damals den Studiengang für Medizin nicht gleich bekommen, sondern bin über die sogenannte Praxisbewerbung hineingekommen. Wenn man bei dieser den Bereich „Psychiatrie“ auswählte, war die Wahrscheinlichkeit groß, nachher einen Studienplatz zu bekommen. Ich habe dann auch wirklich einen Platz in der Kinder- und Jugendpsychiatrie bekommen und zum ersten Mal erlebt, wie es ist, mit einem mir anvertrauten Menschen zu leben- richtig zusammen zu leben und damit über einen längeren Zeitraum wirksam zu werden.  

Der zweite Zufall war dann, dass ich nicht wie ursprünglich gedacht in die Neurologie gekommen bin, sondern in die Psychiatrie. Der ganzheitliche Ansatz, der hier dann gelernt und gelebt wurde, hat mich von Anfang an fasziniert.  

Mein Weg zur Chefärztin

Mein Weg zur Position als Chefärztin war vor allem geprägt von Miteinander, Verständnis und tiefer Kollegialität. Mein Mentor hat seine Aufgabe sehr ernst genommen und dank ihm wurde ich Oberärztin. Er hat mich angeleitet, mich geführt, mich motiviert. Er meinte immer: „Wer viel kann, macht viel.“ Das hat mich angespornt und sein respektvoller Umgang mit allen und über alle Berufsgruppen hinweg war mir ein Vorbild, das ich versuche, selber weiterzuleben und an meine Kolleg:innen weitergeben.  

Durch eine Strukturveränderung im Krankenhaus entstanden später drei Kliniken und ich wurde in die Position der Chefärztin berufen und fülle diesen mit großer Freude aus. Über Jahrzehnte ist es uns gelungen, die Begeisterung der Kolleg:innen für den Beruf beizubehalten und das merkt man sowohl als Mitarbeiter:in als auch als Patient:in.  

 

Meine Arbeit im Krankenhaus

Ich bin jeden Tag dankbar, dass ich hier arbeite, denn wir arbeiten hier nach einem ganzheitlichen Ansatz. Das bedeutet konkret: Wir sehen die Patient:innen als Ganzes. Und was noch viel wichtiger ist: Wir sind während des gesamten Behandlungsprozesses an ihrer Seite. Wir betrachten also nicht nur das Krankheitsbild an sich, sondern auch soziale Hintergründe, Wertesysteme, familiäre Hintergründe, Biografien u.s.w. Hier in Hochweitzschen lassen wir uns auf die Patient:innen ein und genauso so, lassen diese sich auch auf uns ein. Wir bieten Ihnen neben der Behandlung eine Beziehung an. Das ist in vielen anderen Einrichtungen ganz anders. Hier fehlt oftmals die Zeit und so werden die Patient:innen nur partiell betrachtet und dementsprechend auch behandelt.   

Wir haben in meiner langjährigen Arbeit im Bereiche Sucht einiges aufbauen können. Dazu zählt zum einen die intensive Zusammenarbeit mit den Suchtberatungsstellen. Hier hat sich aus einem kleinen Netzwerk über die Jahre ein immer Größeres aufgebaut. Zum anderen konnten wir zahlreiche eigene Projekte umsetzen, die wir auch heute noch mit Leben erfüllen. Dazu zählt z. B. das Projekt Zwischenstopp, ein Wohnprojekt für Süchtige zwischen Entzugsbehandlung und dem Beginn der Langzeittherapie. Oder die Arbeit mit den Schulen. Hier bieten wir als Präventionsarbeit Termine für Schüler:innen und deren Eltern an, in dem wir über Suchtverhalten informieren. Wichtig war dabei für mich immer, dass wir gemeinsam an den Ideen gearbeitet und diese auch gemeinsam umgesetzt haben und das nicht nur für einen kurzen Moment, sondern langfristig.   

Hier arbeiten unsere Ärztinnen und Ärzte