Ankommen, wachsen, gestalten
Wir treffen Sarah Bodenschatz, eine junge, engagierte und äußerst reflektierte Mitarbeiterin im Sozialdienst unseres Fachkrankenhauses Bethanien Hochweitzschen.
Ursprünglich stammt Sarah aus der Nähe von Freiberg. Nach ihrem Abitur begann sie im Oktober 2021 ihr Studium der Sozialen Arbeit in Jena und legte damit den Grundstein für ihren heutigen Berufsweg. „Eigentlich wollte ich in die Kinder- und Jugendhilfe gehen. Aber so ganz wollte ich die Erwachsenen dann doch nicht außen vor lassen.“ Schon während des Studiums entwickelte Sarah ein besonderes Interesse für den psychiatrischen Bereich. Auch ein Psychologiestudium zog sie anfangs in Betracht. Heute sagt sie jedoch rückblickend: „Ich bin absolut richtig in der Sozialen Arbeit angekommen.“
Vom Praxissemester zum festen Bestandteil des Teams
Im Rahmen ihres Studiums absolvierte Sarah ihr Praxissemester im Fachkrankenhaus Bethanien Hochweitzschen mit dem Ziel, Erfahrungen in der Arbeit mit erwachsenen Patientinnen und Patienten sowie im Umgang mit psychischen Erkrankungen zu sammeln. „Am Ende des Praktikums wollte ich gar nicht mehr weg.“ Sie blieb, zunächst als studentische Hilfskraft während der letzten Semester. Schnell wurde für sie klar, dass sie auch nach dem Studium Teil des Teams bleiben möchte. „Meine Chefin und das gesamte Sozialdienst-Team haben sich sehr für mich eingesetzt, sodass meine heutige Stelle überhaupt erst geschaffen wurde.“ Seit über einem Jahr gehört sie nun fest zum Sozialdienst. Als Springerin ist sie flexibel im Einsatz, auf Stationen, in Tageskliniken und in den Psychiatrischen Institutsambulanzen (PIA). „Ich bin viel unterwegs, kenne dadurch viele Kolleginnen und Kollegen und auch viele Patientinnen und Patienten.“
Praxis und Studium eng verzahnt
Während ihres Studiums pendelte Sarah regelmäßig zwischen Freiberg, Jena und Hochweitzschen. Das war eine intensive und prägende Zeit. „Es war anstrengend, aber unglaublich wertvoll. Es hat sich fast wie ein duales Studium angefühlt.“ Theorie und Praxis griffen dabei eng ineinander: Inhalte aus Psychologie und Recht konnte sie direkt im Klinikalltag anwenden. „Ich konnte auch Themen aus der Praxis mit in die Vorlesungen nehmen und dort weiter vertiefen.“
Ein vielseitiger Einstieg in die Praxis
Ihr Praxissemester begann früh am Morgen und bot schnell die Möglichkeit, eigenständig zu arbeiten. Zunächst war sie auf der offenen Station S1 eingesetzt, später wechselte sie auf eine geschlossene Station. Dort übernahm sie früh Verantwortung, etwa bei der Organisation von Wohnplätzen für Patientinnen und Patienten. „Am Anfang war Telefonieren für mich eine Herausforderung, aber genau dadurch habe ich unglaublich viel gelernt.“ Im weiteren Verlauf führte sie eigene Gespräche, begleitete Aufnahmen und Entlassungen und arbeitete eng mit Angehörigen, Betreuerinnen und Betreuern sowie Behörden zusammen. Besonders prägend ist für sie bis heute die Arbeit auf der geschlossenen Station.
Es ist dynamisch und fordernd. Man weiß nie genau, was kommt. Genau das macht die Arbeit so spannend.
Lernen im Team
Ein entscheidender Faktor für Sarahs Entwicklung war das Team: „Ich hatte hervorragende Anleiterinnen. Alle haben mich unterstützt, sich Zeit genommen und mir konstruktives Feedback gegeben.“ Diese kollegiale Unterstützung prägt ihren Arbeitsalltag bis heute.
Arbeiten als Springerin – breit aufgestellt
Als Springerin ist Sarah in vielen Bereichen im Einsatz – ein großer Vorteil, besonders zu Beginn ihrer beruflichen Laufbahn:
Ich lerne unglaublich viel, weil ich überall mitarbeite. Ich bekomme einen sehr breiten Einblick in das gesamte System.
Zu ihrem Arbeitsumfeld gehören unter anderem Anfragen und Zusammenarbeit mit Wohnstätten, Pflegeeinrichtungen, Beratungsstellen und Kostenträgern. Neben ihrer Tätigkeit im Krankenhaus arbeitet sie auch in der PIA in Freiberg sowie in einer Selbsthilfegruppe in Döbeln. Auch Hausbesuche gehören zu ihrem Arbeitsalltag.
Ihr Arbeitstag beginnt in der Regel gegen 9 Uhr, bei Vertretungen auch früher. Anschließend strukturiert sie ihre Aufgaben eigenständig.
Dazu gehören unter anderem:
- Organisation von Aufnahmen und Entlassungen
- Beantragung von Leistungen (z. B. Bürgergeld, Reha, Rente, Pflegegrad)
- Suche nach passenden Wohn- oder Pflegeplätzen
- Gespräche mit Patientinnen und Patienten, Angehörigen und Institutionen
„Die Patientinnen und Patienten sind oft sehr dankbar. Manchmal reicht schon ein Gespräch auf dem Flur.“
Sarah spricht auch offen über strukturelle Herausforderungen. „Es ist schwer, wenn Patientinnen und Patienten keine passende ambulante Anbindung finden, obwohl sie sie dringend brauchen.“ Gleichzeitig erlebt sie ihre Arbeit als sehr sinnstiftend. „Es ist ein unglaublich erfüllender Beruf. Man lernt jeden Tag dazu und begegnet so vielen unterschiedlichen Menschen und Lebensrealitäten.“
Was Soziale Arbeit ausmacht
Für Sarah sind bestimmte Eigenschaften in ihrem Beruf besonders wichtig: Empathie, Offenheit und die Fähigkeit, sich auf unterschiedliche Lebenswelten einzulassen. Gleichzeitig braucht es, gerade im psychiatrischen Bereich, eine gute Balance zwischen Nähe und professioneller Abgrenzung.
„Man arbeitet auf Augenhöhe mit den Patientinnen und Patienten trotz der eigenen fachlichen Rolle.“
Ebenso zentral ist für sie die interdisziplinäre Zusammenarbeit: „Am Ende arbeiten alle Berufsgruppen immer mit dem Ziel zusammen, das Beste für die Patientinnen und Patienten zu erreichen.“
Heute lebt Sarah in Leipzig und pendelt mit dem Zug zur Arbeit. Eine Zeit, die sie bewusst zum Abschalten nutzt. In ihrer Freizeit liest sie gern, häkelt oder kocht. Und auch im Arbeitsalltag gibt es Momente, auf die sie sich besonders freut: „Ich mag die Arbeit und das Team sehr. Ich bin wirklich gern hier und ich genieße es, jeden Tag etwas Neues zu lernen.“
(Das Interview wurde im April 2026 geführt.)