Gemeinsam auf Augenhöhe

Sandra über Teamgeist und Wertschätzung im Anhalt-Hospiz

Seit acht Monaten ist Sandra Teil unseres Teams im Anhalt-Hospiz Zerbst. Die gebürtige Sachsen-Anhaltinerin hat als Gesundheits- und Krankenpflegerin viele berufliche Stationen durchlaufen, ambulant wie stationär, und sich ganz bewusst für den Schritt in die Hospizarbeit entschieden.

Im Gespräch erzählt sie, warum sie heute sagen kann: „Ich fahre sehr, sehr gerne auf Arbeit – jeder Kilometer ist es wert.“

Sandras beruflicher Weg

Nach ihrer Mittleren Reife absolvierte Sandra zunächst ein Freiwilliges Soziales Jahr im Krankenhaus in Köthen. Dort reifte der Entschluss, den Pflegeberuf zu ergreifen. Von 2002 bis 2005 absolvierte sie daraufhin ihre Ausbildung zur Gesundheits- und Krankenpflegerin.

Auf mehrere Jahre in der ambulanten Pflege in Köthen folgten acht Jahre in Leipzig in einem ambulanten Pflegedienst. Ergänzend sammelte sie wertvolle Erfahrungen in einem spezialisierten Fachkrankenhaus. Zurück in der Heimat arbeitete sie einige Jahre in der Kardiologie im Krankenhaus in Dessau. „Ich wollte damals noch einmal etwas Neues lernen“, erzählt sie. Der stationäre Alltag eröffnete Sandra neue Perspektiven und fachliche Tiefe.

Erste Berührungspunkte mit der Hospizarbeit hatte Sandra während einer Weiterbildung im Bereich Palliativpflege. Sie war stark beeindruckt von der warmen und wertschätzenden Atmosphäre. Nach etwa neun Monaten intensiver persönlicher Auseinandersetzung mit dieser Thematik stand für sie fest: Diesen Weg möchte ich gehen.

Ankommen vom ersten Moment an

„Vom Bewerbungsgespräch bis heute bin ich begeistert“, sagt Sandra. Besonders bewegt sie, wie sehr Leistung und Engagement wahrgenommen und anerkannt werden – von Gästen, Angehörigen und auch von der Leitung.

Was sie im Anhalt-Hospiz besonders schätzt, ist die Teamkultur:
Ein neues, motiviertes Team mit ganz unterschiedlichen fachlichen Hintergründen: ambulante Pflege, Neurologie, Gastroenterologie, Kardiologie. Die Teamkolleg:innen bringen jeweils einen eigenen Blickwinkel ein. „So betrachten wir jeden Gast ganzheitlich. Und der Austausch erfolgt immer auf Augenhöhe.“

Denn hier gibt es keine starren Hierarchien, sondern respektvolles Miteinander. Als Sandra in einer stressigen Situation ihren Pflegedienstleiter André ansprach, weil sie mehrere Aufgaben gleichzeitig bewältigen musste, übernahm er kurzerhand eine anstehende Reparatur. „Das hatte ich in meinem bisherigen Berufsleben noch nie erlebt“, erzählt sie immer noch erstaunt. „Ich war wirklich baff.“

Auch die Einarbeitung beschreibt sie als besonders unterstützend. Kolleginnen und Kollegen standen ihr jederzeit zur Seite. Heute fühlt sie sich im Hospiz sicher und angekommen.

Wünsche möglich machen

Im Hospiz geht es nicht nur um medizinische und pflegerische Versorgung. Es geht um den Menschen mit all seinen Bedürfnissen und Wünschen.

„Wir schauen immer, was wir noch möglich machen können?“
Das kann eine kleine Geburtstagsfeier sein, eine liebevoll gedeckte Kaffeetafel oder auch eine besondere Fahrt mit dem Wünschewagen. Eine dieser Fahrten durfte Sandra begleiten, an einen See nahe Berlin. Ein intensiver, emotionaler Moment, der ihr lange in Erinnerung bleiben wird.

Besonders berührt hat sie auch das Jahresgedenken. ‚Unfassbar ergreifend‘ beschreibt sie diesen Tag. Wie viele Angehörige gekommen waren, sich bedankten, die Arbeit wertschätzen, dies hat ihr nochmal mehr bewusst gemacht, wie bedeutend die Begleitung im Hospiz ist.

Eine Szene ist ihr besonders im Herzen geblieben: Für einen Gast organisierten die Angehörigen griechisches Essen. Sandra bereitete alles wie in einem kleinen Restaurant vor, mit Musik im Hintergrund, und bediente den Gast persönlich. Beim Jahresgedenken sprach die Familie sie erneut darauf an. „Das sind Erinnerungen, die bleiben.“

Ein Ort voller Wärme

„Ein Hospiz ist kein reines Haus der Trauer“, sagt Sandra. „Es ist ein warmer, freundlicher Ort. Natürlich wird auch gelacht – so wie das Leben eben ist.“

Kleine Gesten machen den Unterschied:
Eine Kollegin backt für die Gäste, ein Kollege brät Bratkartoffeln, der Chef grillt. Tiere wie Katze Lotti oder die Laufenten bringen Lebendigkeit ins Haus. Auch die Hunde der Gäste dürfen zu Besuch kommen. Das sorgt immer wieder für besondere Momente bei allen Beteiligten.

Gäste können ihre Zimmer individuell gestalten, eigene Möbel bzw. Bilder mitbringen und damit ein Stück Zuhause schaffen. Angehörige haben die Möglichkeit, im Haus zu übernachten bzw. rund um die Uhr den Gast begleiten zu können. „Das entlastet ungemein“, weiß Sandra. „Sie wissen, wir sind da und können einmal abschalten.“

Unterstützt wird das Team von engagierten Ehrenamtlichen, einer Hauspsychologin sowie einer engen Zusammenarbeit mit Ärzten und Ärztinnen sowie der Apotheke. Die tägliche Visite und die gute Erreichbarkeit sorgen für Sicherheit und Transparenz. „Die Kommunikation ist einfach richtig gut“, betont sie.

Da man so viel Zeit auf der Arbeit verbringt, ist es umso schöner, dass ich jeden Tag so gern hierherkomme.

Wertschätzung füreinander

Was Sandra besonders hervorhebt: Die Mitarbeitenden stehen im Fokus und das wird im täglichen Tun spürbar. Offener Austausch, gegenseitige Unterstützung und Wertschätzung gehören zum Alltag. „Wenn es einem selbst mal nicht gut geht, wird das gesehen“, sagt sie. Man kann jederzeit das Gespräch suchen, mit dem Pflegedienstleiter oder der stellvertretenden Leitung, und Wünsche sowie Anregungen finden stets Gehör. Auch in der Supervision gibt es die Möglichkeit, offen über Belastendes zu sprechen und gemeinsam zu reflektieren, was das Team noch enger zusammenbringt.

„Da man so viel Zeit auf der Arbeit verbringt, ist es umso schöner, dass ich jeden Tag so gern hierherkomme.“

Mit Blick nach vorn

Stillstand kennt Sandra nicht. In diesem Jahr wird sie eine Weiterbildung zur Hygienebeauftragten absolvieren und damit eine zusätzliche verantwortungsvolle Aufgabe im Hospiz übernehmen.

Demnächst stehen der Frühjahrsputz im Hospizgarten, das Pflanzen von Blumen und das Herrichten der Terrasse für die Gäste an. Darauf freut sie sich besonders.

„Wir sind ein kleines Team, aber wir stecken alle ganz viel Herzblut hinein“, sagt sie.
Und genau das spürt man vom ersten Moment an.

(Das Interview wurde im Februar 2026 geführt.)

Hier arbeiten unsere Pflegefachkräfte in den Hospizen (w/m/d)