Menschen stärken, Wege ebnen

Richard schätzt sehr, dass eigene Ideen eingebracht werden können.

Manchmal führt der berufliche Weg genau dorthin zurück, wo alles begonnen hat. Für Richard war es die Entscheidung, gemeinsam mit seiner Partnerin wieder in die Heimat zu ziehen. Nach mehreren Jahren in Leipzig kehrte er 2023 in die Region zurück – und fand in der Tagesklinik Döbeln des Fachkrankenhaus Bethanien Hochweitzschen genau das Arbeitsumfeld, das zu ihm passt.

„Ich wollte wieder hierher zurück, aber fachlich weiterhin in der Psychiatrie arbeiten. Die Tagesklinik war dafür genau der richtige Ort.“

Aufgewachsen in der Umgebung, hatte Richard schon früh eine Verbindung zur Region. Über seine Mutter, die im Fachkrankenhaus tätig ist, erfuhr er von der offenen Stelle. „Das Setting hat mich sofort angesprochen. Man hat hier Zeit – und genau das ist in der psychiatrischen Arbeit so wichtig.“

Früh erkennen, was passt – Richards Weg in die Pflege

Schon während der Schulzeit merkte Richard, dass er ein sozialer Typ ist. Ein Praktikum in einem Altenpflegeheim bestätigte ihm: Pflege ist genau das, was er machen möchte.

Er entschied sich bewusst für den Realschulabschluss und absolvierte anschließend ein Freiwilliges Soziales Jahr im damaligen Krankenhaus Rochlitz. Danach ging es nach Leipzig, wo er am Universitätsklinikum Leipzig seine Ausbildung zum Gesundheits- und Krankenpfleger absolvierte.

„Schon in der Ausbildung habe ich gemerkt, dass mir die psychiatrische Arbeit am meisten liegt.“
Seine praktische Prüfung legte er auf einer geschützten Station ab. Es folgten Stationen im Krankenhaus Altscherbitz und eine Rückkehr an die Uniklinik, bevor er wieder in die Heimat zog.

Die Tagesklinik Döbeln: wo Alltag und Therapie zusammenkommen

Die Tagesklinik arbeitet teilstationär: Patientinnen und Patienten verbringen den Tag in der Klinik, abends und am Wochenende sind sie zuhause. So dient sie als Einstieg in die therapeutische Arbeit oder als Übergang nach einem stationären Aufenthalt.

„Die Patienten sind mindestens sechs Wochen bei uns. Das ist nicht vergleichbar mit einem Krankenhausaufenthalt. Man hat wirklich Zeit, sie zu begleiten.“

In der Tagesklinik werden unter anderem Depressionen, Angst- und Persönlichkeitsstörungen, Anpassungsstörungen sowie Suchterkrankungen behandelt. Maximal 24 Patientinnen und Patienten können aufgenommen werden, vom 18- bis theoretisch zum 90. Lebensjahr. Jede Gruppe hat eine/n Haupttherapeuten/-in und einen Gruppentherapieplan, der individuell ergänzt werden kann.

Pflege als erste Anlaufstelle

Morgens beginnt Richard oft mit Blutentnahmen, Vitalzeichenkontrollen und organisatorischen Aufgaben. Genauso wichtig ist das Gespräch mit den Patientinnen und Patienten. „Oft erzählen die Patienten morgens, was zuhause passiert ist. Einfach da sein und zuhören – das ist ein wichtiger Teil unserer Arbeit.“

Besonders gern übernimmt Richard Aktivierungsangebote: Spaziergänge, Bewegungsübungen oder kleine Spiele, um den Tag strukturiert zu starten. „Das ist schön, weil man so ganz unkompliziert ins Gespräch kommt.“

Das Pflegeteam rotiert wöchentlich Aufgaben wie Dokumentation, ‚Außendienst‘ oder Springerfunktion. „So bleibt es abwechslungsreich und jeder unterstützt jeden.“

Raum für Kreativität und eigene Ideen

Richard schätzt, dass er seine Ideen einbringen und ausprobieren kann. Ein Beispiel ist die tiergestützte Therapiebegleitung. „Kreativität ist hier sehr gut machbar. Man kann seine Ideen einbringen und ausprobieren.“

Sein Hund Claus begleitet ihn jetzt an mehreren Tagen in der Woche bei Spaziergängen oder Aktivitäten mit den Patientinnen und Patienten. Auch bei schlechtem Wetter gibt es kreative Alternativen wie drinnen Sockenboccia spielen.

Darüber hinaus wendet Richard durch eine Weiterbildung Ohrakupunktur an und überlegt, therapeutisches Boxen als Weiterbildung auszuprobieren. „Es kommt immer wieder etwas Neues dazu – Dinge, die ich früher nie gedacht hätte, dass ich sie einmal anwenden würde.“

Es ist ein tolles Arbeiten. Für uns im Team und vor allem für die Patienten.

Intensive Begleitung und sichtbare Entwicklung

Die Dankbarkeit der Patientinnen und Patienten ist spürbar. Besonders berührend sind Momente, in denen Gespräche, die ich geführt habe, nachhaltig helfen. Viele kommen mit großen Belastungen zu uns, und es ist beeindruckend zu sehen, wie sie die Wochen in der Tagesklinik nutzen, um gestärkt und mit neuen Werkzeugen für den Alltag nach Hause zu gehen. Es ist schön, dabei zu erleben, wie sie Fortschritte machen und Sicherheit gewinnen. Hier ist man intensiv im Kontakt – und man merkt, dass sich die Menschen wohlfühlen.

Arbeiten mit Perspektive und Vertrauen

Das Arbeitsumfeld empfindet Richard als besonders angenehm. Neue Ideen stoßen auf Unterstützung, Vertrauen wird aktiv gelebt. „Man kann sich einbringen, Neues ausprobieren und bekommt Rückhalt vom Team. Das macht das Arbeiten hier besonders.“

Neben der Arbeit ist Richard sportlich aktiv, besucht Konzerte und betreibt Kampfsport, ein Ausgleich, der ihm Energie für seinen Beruf gibt.

Sein Fazit:
„Es ist ein tolles Arbeiten. Für uns im Team und vor allem für die Patienten. Viele Menschen mit psychischen Erkrankungen erleben starken sozialen Rückzug. Hier profitieren sie von der Gruppe, knüpfen Kontakte, die oft sogar über die Tagesklinik hinaus bestehen bleiben. Genau das macht diese Arbeit so wertvoll.“

(Das Interview wurde im Februar 2026 geführt.)