Über 50 Jahre im Dienst der Pflege
Über ein halbes Jahrhundert in der Krankenpflege: Regina Klotz blickt auf ein erfülltes Berufsleben zurück und ist noch immer aktiv dabei.
Wenn man Regina Klotz begegnet, spürt man sofort: Diese Frau hat Energie, Herz und eine unglaubliche Lebensfreude. Sie ist eine Kollegin, die geprägt hat, was das Ev. Diakonissenkrankenhaus Leipzig über Jahrzehnte ausmacht: Kompetenz, Herzlichkeit und tiefe Menschlichkeit.
Im November 2024 feierte sie ihr 50-jähriges Dienstjubiläum. Anlass genug, um mit ihr über ihren außergewöhnlichen Werdegang zu sprechen.
Für mich war alles positiv – ich konnte meinen Traumberuf machen.
v.l.n.r.: Dr. med. Olaf Richter (Ärztlicher Direktor), Pfarrerin Maria Beyer (Theologische Geschäftsführerin), Katrin Völkel-Lutz (Pflegedirektorin), Regina Klotz, Sebastian Steindorf (Betriebsdirektor)
Von Wittenberg nach Leipzig und hinein ins Leben
Geboren in der Lutherstadt Wittenberg, wuchs Regina Klotz mit drei Geschwistern auf als Jüngste der Familie. „Ich war die Erste, die aus dem Haus ging und das als Nesthäkchen.“ Eigentlich hatte sie einen ganz anderen Berufswunsch: Friseurin. Ihren Brüdern und ihrer Mutter schnitt sie regelmäßig die Haare – mit Leidenschaft und Geschick. Und doch sollte alles anders kommen. Eine prägende Situation in ihrer Jugend ließ in ihr den Wunsch wachsen, anderen helfen zu wollen und zu verstehen, wie der Mensch funktioniert.
Vom ersten Tag an mittendrin
1974 begann sie ihre Ausbildung am damaligen Krankenhaus Bethanien Leipzig zunächst mit einem Vorbereitungsjahr. Schon in dieser Zeit lernte sie zentrale Bereiche wie Hauswirtschaft, Küche und Stationen im Krankenhaus kennen, die Basis für ein tiefes Verständnis der späteren pflegerischen Arbeit.
Anschließend folgte die dreijährige Ausbildung in der Krankenpflege, die nicht nur Theorie im Klassenzimmer bedeutete, sondern vor allem Praxis: In Leipzig lernte sie die Frauenheilkunde kennen, in Plauen die Chirurgie, in Karl-Marx-Stadt die Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde und Rheumatologie, und in Halle die Kinderheilkunde.
„Es war sehr abwechslungsreich. Man war viel unterwegs, sah viel, lernte viel. Das hat mich geprägt.“
1978 legte Regina ihr Staatsexamen ab mit einer ganz eigenen Stärke: „In der Theorie habe ich mich manchmal schwergetan, aber in der Praxis waren die Testate sehr, sehr gut.“ Von Anfang an war klar: Diese junge Frau hat ein Händchen für den Umgang mit Menschen, für die Pflege, für den Klinikalltag. Besonders die Arbeit in der Gynäkologie faszinierte sie: „Ich wurde einige Zeit nach der Ausbildung gefragt, ob ich Fachschwester werden möchte. Das war eine große Ehre für mich.“
„Ich hatte wunderwunderschöne Jahrzehnte“
In den folgenden Jahrzehnten wuchs sie immer weiter in verantwortungsvolle Rollen hinein – zunächst als Krankenschwester, dann als Stationsleiterin (ab 1995) und schließlich als Stationsverantwortliche bis 2019. Ganze dreißig Jahre führte sie Teams, organisierte Schichtdienste, führte neue Kolleg:innen ein und blieb dabei immer Mensch unter Menschen.
In dieser Zeit war Schwester Regina nicht nur Kollegin, sondern auch Zuhörerin, Mentorin, Krisenmanagerin und feste Größe für Generationen von Mitarbeitenden. „Ich wollte immer, dass es allen gut geht. Aber man muss auch lernen, Grenzen zu setzen und auch die eigenen Grenzen zu erkennen.“ Oft sprang sie ein, regelte Schichtpläne, war für andere da, mit einer bewundernswerten Selbstverständlichkeit.
Die Diakonissen, unter denen sie selbst groß wurde, nennt sie „meine zweite Familie“. Sie erzählt von streng geführten, aber auch sehr prägenden Jahren – und von dem Glück, stets Neues lernen zu dürfen: „Nach der Wende kamen neue Fachrichtungen dazu. Ich habe viel von Spezialisten gelernt und ich war immer neugierig.“ Auch privat ging ihr Herz auf: Sie wurde Mutter, meisterte Familie und Beruf mit beeindruckender Hingabe. Nachtdienste waren für sie ideal. So war sie tagsüber für ihren Sohn da. Und mit über 60 baute sie noch eine neue Belegstation mit auf: „Ich habe spektakuläre Eingriffe miterlebt. Das war manchmal wirklich erstaunlich, was möglich war.“
So hat alles irgendwo für mich seinen Lauf genommen.
In allen, was ich so machen durfte, erleben durfte, habe ich ganz viel gelernt, habe viele verschiedene Menschen kennen lernen dürfen. Einmal mit den ich zusammenarbeite, also auch noch arbeite, und dann aber auch die, die man schon in der Zeit verloren hat.
Aber das Schöne ist immer wieder, dass sie sich gern daran zurückerinnern, dass das irgendwie so ein Licht leuchtet.
„Es leuchtet ein Licht“
Nach ihrem Renteneintritt 2023 konnte sie nicht ganz loslassen und das Diako sie offenbar auch nicht. Heute arbeitet sie stundenweise weiter im Pflegebereich. Ihr Engagement bleibt spürbar – für Kolleg:innen ebenso wie für Patient:innen. „Wie man gemeinsam mit Ärzten, durch Operationen, Nachsorge und Pflege helfen kann, das gibt mir Kraft, schon all die Jahre.“
Ihr Weg war nicht immer gerade und leicht. Es gab Höhen, es gab Tiefen, wie sie nun einmal zum Leben gehören. Wenn Regina Klotz über ihre Zeit im Krankenhaus spricht, wird es still. Ihre Worte tragen Gewicht:
Danke, Regina. Für über 50 Jahre Licht, Wärme und Kraft.
Das Ev. Diakonissenkrankenhaus Leipzig sagt Danke für ein halbes Jahrhundert im Dienst der Pflege. Für Mitmenschlichkeit, Erfahrung und Führung. Und dafür, dass Schwester Regina uns allen zeigt, was Berufung wirklich bedeutet.
Ein Haus im Wandel
Das heutige Ev. Diakonissenkrankenhaus Leipzig blickt ebenso wie Regina Klotz auf eine lange Geschichte zurück. Ihre Wege sind eng miteinander verbunden. Denn Regina Klotz begann 1974 ihre Ausbildung am Krankenhaus Bethanien Leipzig, einer traditionsreichen Einrichtung mit Schwerpunkt Gynäkologie, die zu DDR-Zeiten als eigenständiges Krankenhaus bestand. Nach der politischen Wende erlebte das Haus große strukturelle Veränderungen: Es wurde zur Belegklinik mit neuen medizinischen Fachrichtungen wie Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Augenheilkunde und Plastischer Chirurgie erweitert. Im Jahr 2000 wurde das Krankenhaus Bethanien schließlich in das Evangelische Diakonissenkrankenhaus Leipzig integriert als erste Belegklinik Sachsens.
Heute ist das Diako ein modernes Krankenhaus der Grund- und Regelversorgung, Teil des AGAPLESION-Verbundes, und vereint medizinische Kompetenz mit einer langen Tradition christlicher Pflege.
Für Regina Klotz war dieser Wandel nicht nur eine organisatorische Veränderung, sondern ein gelebter Teil ihres Berufslebens.
(Das Interview wurde im Mai 2025 geführt.)