Teamleitung in der Pflege mit Leidenschaft

Der Weg in die psychiatrische Pflege begann für Liesa Fichtelmann nicht als geradlinige Karriereplanung, sondern entwickelte sich über viele Stationen hinweg.

Die heutige Teamleiterin Liesa Fichtelmann absolvierte ursprünglich ihre Ausbildung zur Gesundheits- und Krankenpflegerin bei einem Maximalversorger in Chemnitz und kam bereits früh mit dem Bereich der Psychiatrie in Berührung. Während ihres Einsatzes in der Dresdner Straße, in der Abteilung für Psychiatrie und Neurologie, wurde schnell deutlich, wohin die Reise gehen könnte:

„Da habe ich sofort gemerkt, dass die psychiatrische Pflege eigentlich mein Fachbereich ist, wo ich mich wirklich sehr wohl fühle und was mich interessiert und was mir gefällt.“

Nach der Ausbildung zog es sie zunächst nach Bayern, wo sie viele Jahre in einem Akutkrankenhaus arbeitete, verschiedene Stationen durchlief und schließlich auch die Stationsleitung in der Unfallchirurgie übernahm. Fachlich war das eine intensive und lehrreiche Zeit, menschlich jedoch blieb etwas offen. Denn trotz der Vielfalt der Aufgaben stellte sich mit der Zeit ein klares Gefühl ein: Es passt nicht ganz.

„Ich habe mich nie so richtig angekommen gefühlt.“ reflektiert sie heute.

Rückkehr in die Heimat und ein entscheidender Moment

Nach dem Familienzuwachs und dem Umzug zurück in die Heimatregion ergab sich der nächste Wendepunkt. Nach dem Ankommen in Döbeln und der Bewerbung in unserem Fachkrankenhaus folgte ein sehr positives Vorstellungsgespräch mit unserer Pflegedirektorin. Der Einstieg erfolgte im Jahr 2022 auf der Station S2 der Klinik für Suchtmedizin – zunächst als Pflegefachkraft, später als Teamleitung.

Rückblickend beschreibt sie diesen Moment sehr klar und emotional: „Ich bin angekommen und ich bleibe. Das ist genau meins. Man hat Zeit für die Patienten, man kann sich wirklich mit den Patienten auseinandersetzen.“ Diese Arbeitsqualität blieb nicht nur ein erster Eindruck, sondern entwickelte sich schnell zu einem zentralen Wert der täglichen Arbeit.

Führung mit Vertrauen, Struktur und Teamgedanken

Heute ist Liesa Fichtelmann als Teamleitung für die Station S2 verantwortlich und verbindet Leitung, Organisation und aktive Mitarbeit auf Station. Ihr Führungsverständnis ist konsequent teamorientiert. Ein zentrales Element ist dabei die eigenständige Dienstplanung der Mitarbeitenden, die innerhalb klarer Rahmenbedingungen selbst organisiert wird. Wochenenden und Nachtdienste müssen abgesichert sein, gleichzeitig bleibt Raum für individuelle Lebenssituationen. Dabei steht nicht Kontrolle im Vordergrund, sondern Vertrauen und Verantwortung im Team: „Ich weiß, dass das funktioniert. Mein Team kommuniziert viel untereinander und sehr aktiv mit mir.“

Ein wichtiger Bestandteil der Führungsarbeit ist die enge Abstimmung im Leitungsteam. Dazu gehört eine wöchentliche Teamleitungsbesprechung mit der Pflegedirektorin, in der aktuelle Entwicklungen, insbesondere auch Personalausfälle und organisatorische Herausforderungen, gemeinsam besprochen und abgestimmt werden. Zusätzlich findet ein regelmäßiger Austausch mit den anderen Teamleitungen der verschiedenen Stationen statt, der als sehr konstruktiv und unterstützend erlebt wird – insbesondere im Hinblick auf gegenseitige Entlastung und kurzfristige Lösungen. Auch die übergreifende fachliche Weiterentwicklung spielt eine große Rolle. Gemeinsame Teilnahme z. B. am Pflegekongress mit anderen Teamleitungen ermöglicht nicht nur fachlichen Input, sondern stärkt auch den internen Austausch und die Zusammenarbeit über Stationen hinweg.

„Ich bin angekommen und ich bleibe. Das ist genau meins.“

Psychiatrische Pflege als Beziehungsarbeit – nicht nur als Beruf

Was die Arbeit in der psychiatrischen Pflege besonders macht, ist für Liesa vor allem eines: Beziehungsarbeit. Es geht nicht nur um Symptome oder Diagnosen, sondern um Menschen mit individuellen Geschichten, Brüchen und Entwicklungen. Diese Haltung prägt sowohl den Umgang mit Patientinnen und Patienten als auch die Zusammenarbeit im Team. Gerade in der Suchtmedizin erlebt sie immer wieder intensive Verläufe aber auch große Veränderungen und persönliche Fortschritte. Die Wirkung der eigenen Arbeit wird dabei oft erst mit Abstand wirklich sichtbar: „Für uns ist das die alltägliche Arbeit, aber für den Menschen ist dies etwas ganz Wertvolles.“

Teamkultur und Interdisziplinarität

Das Team auf der Station beschreibt sie als gemischt, lebendig und sehr stabil. Unterschiedliche Altersgruppen, Erfahrungen und Persönlichkeiten treffen hier aufeinander und genau das wird als große Stärke gesehen. Auch Konflikte werden offen angesprochen und gemeinsam gelöst. Entscheidend ist, dass jede und jeder ein Platz findet. Besonders wichtig ist ihr der Blick auf unterschiedliche Charaktere im Team – so auch auf die leisen Stimmen: „Auch die Stillen braucht man. Man braucht nicht nur die Lauten.“

Ein großer Teil der Arbeit findet im engen Austausch mit Ärztinnen, Ärzten, Therapeutinnen und Therapeuten statt – Visiten, Teambesprechungen und Qualitätszirkel gehören zum festen Alltag. Gleichzeitig wird Entwicklung durch Fortbildungen und neue Therapieansätze aktiv gefördert. Ob Entspannungsverfahren, Akupunktur oder neue Konzepte im Umgang mit Patientinnen und Patienten – Weiterentwicklung ist kein Zusatz, sondern Teil der täglichen Arbeit.

Persönliche Haltung und gelebte Zufriedenheit

Neben der fachlichen Ebene spielt auch die persönliche Haltung eine große Rolle. Die Kombination aus Sinnhaftigkeit, Teamarbeit und Patientennähe führt zu einer klaren Veränderung im Blick auf den Beruf: „Ich freue mich immer, wenn ich auf Arbeit komme.“ Diese Aussage beschreibt nicht nur Zufriedenheit, sondern auch eine tiefe Identifikation mit dem Arbeitsumfeld. Auch die emotionale Bindung zu den Patientinnen und Patienten bleibt dabei spürbar. Kleine Gesten, Dankbarkeit und langfristige Entwicklungen zeigen, wie nachhaltig die Arbeit wirkt – oft weit über den Aufenthalt im Fachkrankenhaus hinaus.

Fazit: Angekommen im richtigen Berufsfeld

Heute ist klar: Der Wechsel in die Psychiatrie war kein Zufall, sondern eine bewusste und richtige berufliche Rückkehr. Mit einem starken Team, klaren Strukturen, regelmäßiger Abstimmung im Leitungsteam und viel Vertrauen in die gemeinsame Arbeit hat Liesa Fichtelmann ihren Platz gefunden.

Oder, wie sie es selbst zusammenfasst: „Ich habe hier einfach das Gefühl, dass es passt – fachlich, menschlich und im Team.“

(Das Interview wurde im April 2026 geführt.)

Hier arbeiten unsere Pflegefachkräfte (w/m/d) in der psychiatrischen Pflege