Hanna
Manchmal führt ein Umweg genau dorthin, wo man eigentlich hingehört. Für Hanna bedeutete das, einen begonnenen Studienweg hinter sich zu lassen und sich bewusst für die Pflege zu entscheiden.
Seit Herbst 2025 ist die 21-Jährige angehende Pflegefachfrau im Fachkrankenhaus Bethanien Hochweitzschen und sicher, ihren beruflichen Weg gefunden zu haben. „Mir war irgendwann klar: Das ist nicht meins, den ganzen Tag nur vor einem Bildschirm in einem Planungsbüro zu sitzen.“
Aufgewachsen in Döbeln, lebt sie heute mit ihrem Freund in ihrer ersten eigenen Wohnung. Ein neuer Lebensabschnitt, der gut zu ihrem beruflichen Neustart passt.
Offen für Neues
2024 absolvierte Hanna ihr Abitur. Während ihrer Schulzeit verbrachte sie ein Jahr in Kansas, USA. Eine Erfahrung, die sie bis heute prägt. „Ich habe dort nicht nur sprachlich viel gelernt, sondern auch Offenheit und Flexibilität. Man wächst daran, sich auf neue Situationen einzulassen.“
Nach dem Abitur begann sie ein duales Studium im Bauingenieurwesen. Besonders Mathe und Physik lagen ihr. Doch trotz guter Leistungen merkte sie schnell, dass ihr etwas Entscheidendes fehlte: der direkte Kontakt zu Menschen. „Ich wollte nicht den ganzen Tag planen und rechnen. Mir war wichtig, mit Menschen zu arbeiten.“ Schon zuvor hatte sie gespürt, dass ihr psychologische Themen besonders liegen. Freundinnen suchten häufig das Gespräch mit ihr, und sie nahm sich Zeit zuzuhören, mitzufühlen und gemeinsam Lösungswege zu entwickeln. Die Entscheidung für eine Pflegeausbildung, und bewusst für ein psychiatrisches Fachkrankenhaus, war deshalb für sie ein stimmiger nächster Schritt.
Bewusst entschieden für eine Ausbildung in Hochweitzschen
Dass ihre Mutter im Haus arbeitet, gab zusätzliche Einblicke, war aber nicht allein ausschlaggebend. Hanna informierte sich gezielt über Entwicklungsmöglichkeiten nach der Ausbildung. Weiterbildungen wie zur Fachschwester in der Psychiatrie oder Praxisanleiterin findet sie besonders spannend. Auch Angebote wie Ohrakupunktur zeigen ihr, wie vielfältig die Pflege im Haus aufgestellt ist. „Hier gibt es viele Möglichkeiten, sich weiterzuentwickeln. Das motiviert mich.“
Mir war wichtig zu wissen, welche Perspektiven ich hier später habe.
Start in der Berufsfachschule
Die Ausbildung begann mit einem dreimonatigen Blockunterricht im Bethanien Bildungszentrum für Gesundheitsfachberufe in Chemnitz. „Da habe ich nochmal richtig gemerkt, dass es die richtige Entscheidung war.“ Besonders beeindruckt hat sie die Praxiserfahrung der Lehrkräfte. Viele von ihnen waren selbst jahrelang im Beruf tätig und vermitteln Inhalte sehr anschaulich und realitätsnah. Für die Schulzeit pendelte sie zunächst täglich mit dem Auto nach Chemnitz. Perspektivisch möchte sie auf den Zug umsteigen, mit Unterstützung des Arbeitgebers über ein Jobticket.
Erste Schritte in der Praxis
Nach dem Schulblock folgte der Start auf Station: für Hanna ein aufregender Moment. Die Auszubildenden im ersten Lehrjahr beginnen auf den Stationen der Klinik für Gerontopsychiatrie und Gerontopsychotherapie.
„Ich hatte großen Respekt vor dem ersten Patientenkontakt.“ Praktische Erfahrungen während der Schulzeit waren coronabedingt nicht möglich gewesen. Die ersten Tage waren daher mit viel Anspannung verbunden. „Ich habe mich gefragt: Wie rede ich mit den Menschen? Mache ich alles richtig?“ Doch sie beobachtete ihre Kolleginnen und Kollegen genau, schaute sich viel ab und merkte schnell, dass Offenheit und Echtheit wichtiger sind als perfekte Worte. Bereits nach kurzer Zeit fühlte sie sich sicherer.
Lernen im Team
Zu ihren ersten Aufgaben gehörten das Vorbereiten von Zimmern, Betten richten und Essen anreichen. Inzwischen hat sie viel in der Grundpflege gelernt und traut sich einzelne Tätigkeiten auch selbstständig zu. „Als Schülerin muss man viel fragen und Eigeninitiative zeigen. Dann sind die Kollegen auch sehr offen und erklären einem alles.“ Das Miteinander im Haus beschreibt sie als sehr unterstützend. Auf ihrer Station herrsche ein gutes Klima, und auch stationsübergreifend helfe man sich selbstverständlich aus. Aktuell sind vier Auszubildende im ersten Lehrjahr gestartet. Zwei befinden sich derzeit im Schulblock, eine mit ihr auf Station.
Ein typischer Frühdienst
Der Frühdienst beginnt um 6 Uhr. Hanna ist meist schon gegen 5:45 Uhr da, um pünktlich an der Übergabe vom Nachtdienst teilzunehmen. In der Teambesprechung werden alle Patientinnen und Patienten besprochen, anschließend erfolgt die Aufgabenverteilung. Ziel ist es, diejenigen, die möchten, rechtzeitig für den Morgensport um 7 Uhr vorzubereiten. Parallel werden die Zimmer gerichtet und das Frühstück vorbereitet, das um 7:30 Uhr beginnt. „Der Austausch im Team läuft richtig gut. So weiß jeder, was bei den Patienten wichtig ist.“ Um 8:30 Uhr ist Frühstückspause für das gesamte Team – die Auszubildenden sind selbstverständlich mit dabei.
Jeder Tag bringt neue Situationen: Aufnahmen oder Entlassungen, Praxisaufgaben erledigen, Gespräche mit den Patientinnen und Patienten oder kleine Beschäftigungen wie Karten spielen. Das Mittagessen wird um 11:30 Uhr serviert, die Team-Mittagspause folgt um 12:30 Uhr. Gegen 14 Uhr findet die Übergabe an den Spätdienst statt, und um 14:45 Uhr endet der Arbeitstag.
„Kein Tag ist wie der andere und genau das gefällt mir.“
Blick nach vorn
Im März steht der nächste Schulblock an. Außerdem folgen in diesem Jahr Fremdpraxiseinsätze, unter anderem in einem Pflegeheim und in der Pädiatrie. Kooperationen mit Einrichtungen in der Region ermöglichen ihr, weitere Bereiche der Pflege kennenzulernen.
Für Hanna ist klar: Sie möchte sich weiterentwickeln, lernen und ihren eigenen Weg in der Pflege finden. „Ich bin froh, dass ich den Mut hatte, noch einmal neu zu starten. Für mich fühlt sich das hier richtig an.“
Neben der Ausbildung trifft sie sich gern mit Freunden und möchte künftig noch ein Hobby als Ausgleich finden.
(Das Interview wurde im Februar 2026 geführt.)