Altenpflegerin Elke, Teilnehmerin am Diversity-Projekt

Elke

Sie arbeitet souverän auch mit Hörbeeinträchtigung als Altenpflegerin und gibt Ihnen Einblicke in Ihren Arbeitsalltag.

Als ich angefangen habe, bei der AGAPLESION MITTELDEUTSCHLAND zu arbeiten, hatte ich durchaus einige Selbstzweifel. Ich habe mich gefragt, ob ich das schaffe und ob ich in die Einrichtung passe, da ich durch meine starke Schwerhörigkeit durchaus beeinträchtigt bin. Derzeit versteht man die Menschen hinter der Maske nicht immer gut und auch am Telefon muss ich grundsätzlich die Freisprechfunktion über Lautsprecher nutzen, um alles richtig zu verstehen. Aber auch Gespräche mit Ärzten oder Angehörigen können sich unangenehm anfühlen, wenn ich noch einmal darum bitten muss, etwas zu wiederholen oder lauter zu sagen.

In meiner ersten Ausbildung hatte ich zum Beispiel aufgrund meiner Beeinträchtigung starke Probleme. Man hat meine Hörgeräte nicht auf den ersten Blick gesehen, da meine langen Haare sie verdeckt haben. Wenn ich etwas nicht gleich richtig verstanden habe, gab es häufig Unverständnis, böse Kommentare oder sogar den Verdacht, dass ich Legasthenikerin sei. Aber mein Motto war immer: Hinfallen, aufstehen, Krone richten und weiter geht’s!

Bei meinem jetzigen Team habe ich mich direkt damit vorgestellt, dass ich schwerhörig bin. Das heißt nämlich konkret: Wenn ich die Hörgeräte heraus nehme, bin ich taub. Dann kann neben mir ein Kind schreien oder ein Autounfall passieren – ich höre nichts. Meine neuen Kolleginnen und Kollegen haben das ganz normal aufgenommen und sich an die kleinen Eigenheiten, die meine Beeinträchtigung mit sich bringt, sehr schnell und unkompliziert gewöhnt.

Pflege ist ein Job, bei dem man viel gibt, aber auch viel zurückbekommt.

Meine Arbeit in der Altenpflege

Von Anfang an sind mir die Arbeitsbedingungen besonders positiv aufgefallen. Ich kannte die Altenpflege als körperlich und psychisch belastende Tätigkeit. Hier ist das Arbeiten das komplette Gegenteil. Ich liebe zum Beispiel den Spätdienst, bei dem wir mindestens zu zweit arbeiten. Darüber hinaus unterstützen uns dabei auch Kolleginnen oder Kollegen aus der Küche.

Außerdem weiß ich unsere Hilfsbereitschaft sehr zu schätzen. Wenn ich einen Rat oder eine zweite Meinung benötige, greife ich einfach zum Telefon. So wende ich mich zum Beispiel an unseren "Wundbruder", wenn ich im Umgang mit einem Verband oder einer Entzündung einmal unsicher bin.

Bei uns steht der Mensch im Vordergrund. Wir richten unsere pflegerische Arbeit nicht nach einer imaginären Uhr aus, sondern nach den Bedürfnissen der einzelnen Bewohnerinnen und Bewohner. Wenn zum Beispiel noch jemand müde ist, wenn ich für das Frühstück in das Zimmer komme, dann lasse ich die Person noch schlafen und kehre später zurück. Dieses Eingehen auf individuelle Bedürfnisse hat mir von Anfang an sehr gut gefallen.

Meine Arbeit mit Angehörigen

Was viele nicht bedenken: Wir pflegen nicht „nur“ die Bewohnerinnen und Bewohner, sondern unterstützen und beraten oftmals auch die Angehörigen, wenn sie bestimmten Situationen einmal hilflos gegenüberstehen. Es ist meine Aufgabe, auch hier Trost und Beistand zu spenden. Oftmals geht es dabei um das schlechte Gewissen, weil man ein Elternteil in die Pflege gibt. Häufig bestärke ich die Angehörigen in ihrer Entscheidung, denn sie haben sich – oftmals nach intensiven Jahren der Pflege zu Hause – unsere Unterstützung sowie eine eigene Auszeit verdient.

Mein beruflicher Werdegang

Eigentlich bin ich gelernte Köchin und habe auch zwei Jahre in diesem Beruf gearbeitet. Allerdings habe ich schnell gemerkt, dass es nicht das Richtige für mich ist. Die Arbeitszeiten waren schwierig und auch die Bezahlung oftmals schlecht. Danach habe ich erst einmal vieles ausprobiert, bevor eine Mitarbeiterin des Arbeitsamtes mir die Pflege empfahl. Im ersten Moment bin ich auf diesen Vorschlag nicht eingegangen, aber nach einem Jahr wünschte ich mir einen Job mit Zukunft. Und so habe ich es dann doch mit der Pflege probiert.

Mein einprägsamstes Erlebnis

Zu Beginn meiner Ausbildung lernte ich einen Bewohner kennen, der mir zeigte, dass dieser Beruf genau das Richtige für mich ist. Es war und ist ein Job, bei dem man viel gibt, aber auch viel zurückbekommt. An diesen Bewohner denke ich bis heute oft zurück, denn er motivierte mich, die Ausbildung auch wirklich zu Ende zu bringen. Er war bereits hochgradig dement, hat mir aber in einer schwierigen Situation dennoch sehr geholfen. Damals wurde ein anderer Bewohner wütend und ich fühlte mich hilflos und wie gelähmt. In dem Moment stand der eigentlich demente Bewohner auf, stellte sich schützend vor mich und löste die Situation auf. Ich bin ihm dafür bis heute sehr dankbar und ebenso darüber, dass ich ihn bis zum Schluss begleiten durfte.

Hier arbeiten unsere Altenpfleger:innen