Mit Herz, Struktur und Kreativität im Alltag der Ergotherapie.
Ein Gespräch mit Belinda, Ergotherapeutin sowie Leiterin der Ergotherapie und sozialen Betreuung im AGAPLESION BETHANIEN CHEMNITZ.
Ergotherapeutin Belinda ist 42 Jahre alt. Sie leitet die soziale Betreuung und Ergotherapie im AGAPLESION BETHANIEN CHEMNITZ. Seit 2016 ist sie hier tätig – mit Begeisterung, Organisationstalent und einem Gespür für das, was Menschen im Alltag bewegt. Durch ihre Mutter, damals Krankenschwester in Stralsund, hatte Belinda bereits im Kindesalter die ersten Begegnungen mit Pflegebedürftigen, älteren Menschen. Die Wärme und Offenheit, die ihr entgegengebracht wurden, prägte sie und legte den Grundstein für ihren Berufswunsch.
Viele Praktika in verschiedenen Fachbereichen während ihrer Ausbildung zur Ergotherapeutin vertieften den Wunsch mit Senior:innen arbeiten zu wollen. Da im Jahr 2000 der Arbeitsmarkt in Sachsen jedoch schlechte Chancen bot, entschied sich Belinda in die präventive Gesundheitsbranche einzusteigen. Zwölf Jahre begleitete sie Menschen bei ihren persönlichen Gesundheitszielen als Trainerin und Kursleiterin, bis sie spürte, dass die Entwicklungschancen ausgeschöpft waren.
„Es war irgendwann nur noch Fließbandarbeit. Ich wollte wieder Sinn erleben in dem, was ich tue.“ Auch die damaligen Arbeitszeiten waren nicht mit dem Wunsch der Familienplanung vorstellbar.
Von Fitnesskursen zur Lebensfreude: Belindas Weg nun in die Ergotherapie
Während ihrer Elternzeit kam der Hinweis einer Bekannten: Das Pflegeheim AGAPLESION BETHANIEN CHEMNITZ suchte eine Ergotherapeutin. Belinda schrieb noch am selben Abend eine Bewerbung – und sie wurde eingestellt. Gleich zu Beginn übernahm sie die Leitung des Teams. „Es war eine herausfordernde Ausgangssituation, aber auch eine echte Chance, etwas zu gestalten.“
Aus einem eher unruhigen Miteinander entwickelte sich über die Jahre ein eingespieltes, engagiertes Team. Heute arbeiten neun Menschen gemeinsam daran, den Alltag der Bewohner:innen aktiv und lebendig zu gestalten – Männer und Frauen mit ganz unterschiedlichen beruflichen Abschlüssen und persönlichen Fertigkeiten: darunter eine gelernte Friseurin, ein Bauschlosser, eine frühere Krankenschwester. „Das ist eine tolle Mischung, gerade auch für unsere Bewohner.“
Es war einfach ein inneres Wohlgefühl – das wusste ich schon früh: Ich möchte mit älteren Menschen arbeiten.
Ein Rhythmus, der verbindet
Der Tag im Haus beginnt 8 Uhr mit organisatorischen Aufgaben, unterstützenden Tätigkeiten beim Frühstück bis hin zum Esstraining. Im Anschluss folgen die verschiedenen Betreuungsangebote- individuell in Einzelsettings oder gemeinschaftlich in Gruppen.
Dabei orientiert sich das Team an einem festen Wochenrhythmus, der den Alltag strukturiert und zugleich für Abwechslung sorgt: Montags stehen Bewegungsangebote auf dem Programm, dienstags wird das Gedächtnis trainiert. Mittwochs geht es erneut um motorische Übungen, bevor der Donnerstag ganz im Zeichen von seelsorgerischen Angeboten und Alltagskompetenz steht – mit Bibelkreis, Gottesdiensten oder gemeinsamen hauswirtschaftlichen Aktivitäten wie dem Zubereiten von Salaten oder Obsttellern. Freitags bleibt Raum für offene Formate: Ausflüge, Bowling, Literaturstunden oder kleine Vorträge – je nachdem, worauf das Team oder die Bewohner:innen gerade Lust haben.
Auch an den Wochenenden gibt es Angebote und das Team steht den Bewohner:innen gern zur Seite. Neben der Vielzahl an sozialen Angeboten, den organisatorischen und administrativen Tätigkeiten, hat Belinda immer den ergotherapeutischen Hintergrund im Blick und arbeitet selbst mit verschiedenen Behandlungsmethoden und ist daran interessiert, sich stetig weiterzuentwickeln und ihr Wissen ihrem Team weiter zu geben.
Ich gebe meinem Team den Freiraum, eigene Ideen umzusetzen – und da kommt richtig viel zurück. Von Vorträgen über Städte oder anderen Themen bis hin zu selbstorganisierten Festen – die Ergotherapie ist hier kein Pflichtprogramm, sondern Teil eines lebendigen Miteinanders.
Wo ein Team gemeinsam wächst – und Großes bewegt
Was Belinda besonders schätzt?
Die Gestaltungsmöglichkeiten. „Ich habe freie Hand – kann kreativ sein, Verantwortung abgeben und mein Team wachsen sehen.“
Die monatliche Dienstberatung nutzt das Team, um Veranstaltungen zu planen inklusive Deko, Unterhaltung und allen kleinen Details, die einen besonderen Tag ausmachen. „Alle bringen sich mit Herzblut ein, das ist einfach schön zu erleben.“
Bewegung ist Leben
Auch privat bleibt Belinda in Bewegung. Gemeinsam mit ihrer Familie lebt sie ländlich in Chemnitz/Draisdorf – unmittelbar des Chemnitztal—Radweges. ein Ort zum Auftanken, Durchatmen und schnell mal aufs Rad zu springen. Sport gehört für sie einfach dazu: Ob Rennrad fahren oder mit ihren Söhnen zu Haus Kinderyoga durchzuführen. Und wenn sie Abends noch fünf Minuten für sich hat, greift sie gern zu einem Buch – mal Fachliteratur, mal einen Krimi, ganz nach Stimmung.
Was sie antreibt? Sinn erleben, im Kleinen wie im Großen:
Ich darf hier gestalten, bewegen, Neues anstoßen – das erfüllt mich. Und wenn eine neue Idee in mir wächst, weiß ich: Ich werde gehört.