Zweite Chance, klares Ziel
Manchmal verläuft der Weg nicht geradlinig und genau darin liegt die Stärke. Annika ist 23 Jahre alt und Auszubildende zur Pflegefachkraft im Fachkrankenhaus Bethanien Hochweitzschen.
Ihre theoretische Prüfung hatte sie bereits erfolgreich in einem anderen Unternehmen bestanden. Nur die praktische Prüfung verlief nicht wie erhofft. Für Annika war das jedoch kein Rückschlag, sondern Teil ihres Lernprozesses. Sie wusste, dass sie diesen Weg weitergehen möchte und suchte aktiv nach einer Möglichkeit, die praktische Prüfung erneut abzulegen.
Schon während ihrer Ausbildung in der Altenpflege hatte sie den Wunsch, später als examinierte Pflegefachkraft im Fachkrankenhaus Bethanien Hochweitzschen zu arbeiten. Also ergriff sie selbst die Initiative und fragte an, ob sie ihre Ausbildung bei uns fortsetzen und die praktische Prüfung wiederholen könne. Für Annika war klar: Wenn sich eine Tür schließt, sucht man sich eine neue und geht entschlossen weiter.
Vom Widerstand zur Überzeugung
Dass sie einmal in der Pflege arbeiten würde, hätte Annika als Kind nicht gedacht. „Ich konnte früher nicht einmal das Wort Blut hören“, erzählt sie lachend.
In der Berufsorientierungsphase wollte sie zunächst Verwaltungsfachangestellte werden oder als Notarfachangestellte arbeiten. Doch ein Probetag im Büro brachte Ernüchterung. „Ich saß vor dem Computer und dachte: Das ist ja gar nichts für mich. Ich wäre fast eingeschlafen.“
Eine wichtige Impulsgeberin bei der Berufswahl war ihre Mutter. Sie beschreibt Annika als offen, kommunikativ und sehr sozial, als jemanden, der Abwechslung braucht und im Kontakt mit Menschen aufblüht. „Vielleicht probierst du es doch einmal in der Pflege“, regte sie schließlich an.
Zunächst sträubte Annika sich. Doch ein Schnuppertag im Krankenhaus folgte und schließlich ein Freiwilliges Soziales Jahr. Ihr FSJ absolvierte sie in zwei Krankenhäusern, jeweils auf chirurgischen Stationen.
Am Ende des FSJs stand fest: Pflege passt zu ihr. „Meine Mama kennt mich wirklich sehr, sehr gut“, sagt sie mit einem Lächeln.
Während viele in ihrer Familie im öffentlichen Dienst oder im medizinischen Bereich tätig sind, sieht sie sich selbst augenzwinkernd als ‚kleine Ausreißerin‘.
Erste Berührung mit unserem Fachkrankenhaus
Während ihrer Ausbildung in der Altenpflege absolvierte Annika mehrere Praxiseinsätze in Kooperationseinrichtungen. Drei Wochen davon verbrachte sie schon bei uns, auf der offenen Station S1 der Klinik für Suchtmedizin, die auf die Behandlung von Drogenabhängigkeit spezialisiert ist.
Diese Zeit hinterließ Eindruck.
„Mir hat es dort schon damals sehr gut gefallen. Die Praxisanleiterin war toll, sympathisch und hat sich wirklich um uns Auszubildende gekümmert. Wir durften in Therapien reinschnuppern und verschiedene Sichtweisen kennenlernen.“
Diese positiven Erfahrungen waren ein wesentlicher Grund, warum sie sich entschied, ihre Ausbildung schlussendlich hier fortzuführen.
„Sie haben mich hier mit Herzblut unterstützt. Sie haben so viel für mich getan, mich begleitet und gefördert. Dafür werde ich ihnen immer dankbar sein.“
Ankommen im Team
Seit September 2025 arbeitet Annika auf der Station S2 und nutzte die Zeit, um praxisnah zu lernen und sich auf die Prüfung vorzubereiten. Der Wechsel vom Altenpflegeheim in eine Klinikstruktur war zunächst eine Umstellung: viele neue Abläufe, neue Kolleginnen und Kollegen, ein anderes Arbeitsumfeld. „Der erste Tag war schon anstrengend. Aber das Team unterstützt mich super. Ich wurde schnell aufgenommen und integriert.“
Zu Beginn übernahm sie unterstützende Aufgaben, etwa Vitalzeichenkontrollen oder Blutdruckmessungen. Schritt für Schritt bekam sie mehr Verantwortung übertragen. Sie durfte bei Therapiegruppen hospitieren und zunehmend eigenständiger arbeiten.
Besonders dankbar ist sie ihren beiden Praxisanleiterinnen, Schwester Ina und Schwester Anke. „Sie haben mich mit Herzblut unterstützt. Sie haben so viel für mich getan, mich begleitet und gefördert. Dafür werde ich ihnen immer dankbar sein.“
Intensive Vorbereitung auf die praktische Prüfung
Vor der eigentlichen praktischen Prüfung fanden zwei sogenannte Sichtstunden statt: Probeprüfungen, um den aktuellen Kenntnisstand zu überprüfen. Dabei wird gemeinsam mit einer Lehrkraft der Heimerer Schulen und der Praxisanleitung eine Prüfungssituation simuliert. Anschließend folgt eine detaillierte Auswertung.
Dann kam der Prüfungstag. „Ich hatte schon Wackelknie.“
Die Vorbereitung war intensiv. Wochenlang übte sie gemeinsam mit ihrer Praxisanleiterin Ina Abläufe, Zeitmanagement und Struktur.
„Fast jeden Morgen zu Beginn des Frühdienstes haben wir uns Zeit genommen, Abläufe gemeinsam zu besprechen, zu planen und zu optimieren. Diese intensive Phase hat uns beide sehr gefordert.“
So meistert Annika ihre praktische Prüfung
Die praktische Abschlussprüfung bestand aus zwei Tagen. Am ersten Tag wird die praktische Prüfung vorbereitet. Als Prüfling erhält man zwei Pflegeempfänger benannt, einen Haupt- und einen Nebenpflegeempfänger. Daraufhin werden Patientenvorstellungen erstellt, inklusive sozialer, medizinischer und pflegerischer Anamnese. Für den Hauptpflegeempfänger erfolgt eine detaillierte Pflegeplanung:
- Probleme und Ressourcen erfassen
- Pflegeziele formulieren
- Maßnahmen planen und begründen
Auch einen strukturierten Zeitplan hat Annika geschrieben. „Ich empfehle jedem, einen genauen Ablaufplan zu schreiben. Das gibt Sicherheit.“ Für diesen Teil stehen zwei Stunden zur Verfügung. Eine anspruchsvolle Aufgabe, da die Patientinnen bzw. Patienten erst unmittelbar vorher bekannt gegeben werden.
Der zweite Tag beginnt um 06:00 Uhr. Annika war bereits um 05:00 Uhr vor Ort, die Aufregung ließ sie nicht länger schlafen.
Nach der Übergabe folgt die Vorbereitung, dann die Durchführung der geplanten Maßnahmen: Körperpflege, Vitalzeichenkontrolle, Blutzuckermessung, Medikamentengabe. Bis 9:30 Uhr läuft die Prüfungszeit im Patientenzimmer daran anschließend eine etwa 20-minütige Reflexion. Hier können Entscheidungen erläutert und Abweichungen von der Planung begründet werden.
In Annikas Fall hatte sich der Zustand ihrer Hauptpatientin kurzfristig verschlechtert. Nach zwei Stürzen am Vortag war mehr Zuwendung und Struktur notwendig.
„Sie brauchte mehr Ruhe, mehr Führung. Die Körperpflege hat dadurch länger gedauert und das konnte ich begründen.“
Danach war die Prüfung vorbei, und ihr Tag endete bereits gegen 10 Uhr. „Plötzlich war nun auch das tägliche Lernen vorbei.“
Die Vorbereitungszeit beschreibt Annika als intensiv und sehr fordernd; sie hat ihr Sozialleben in dieser Phase nahezu vollständig pausiert.
Blick nach vorn
Annika hofft, weiterhin auf der Station S2 arbeiten zu dürfen, die auf die Behandlung von Alkohol- und Medikamentenabhängigkeiten sowie auf chronisch und mehrfach geschädigte Abhängigkeitskranke spezialisiert ist. Hier fühlt sie sich angekommen.
In der kommenden Woche erwartet sie das Ergebnis ihrer Prüfung. Familie ist für die lebensfrohe und offene 23-Jährige ein wichtiger Rückhalt. Einmal pro Woche geht sie schwimmen, um abzuschalten, und zu Hause wartet ihr Kater, für sie längst ein festes Familienmitglied.
Annika rät allen Unentschlossenen: „Wenn man noch nicht genau weiß, was man beruflich machen möchte, kann ich ein FSJ nur empfehlen. Man bekommt Einblicke, sammelt Erfahrungen und findet vielleicht genau das, was wirklich zu einem passt.“
(Das Interview wurde im Februar 2026 geführt. Annika hat ihre praktische Prüfung nach dem Interview bestanden und ist jetzt examinierte Pflegefachfrau.)